Grundablass und Damm

Symbol für Hochwasserschutz: das „Tor der Triesting“

Dämme und Grundablass zähmen Flut, weil die Triesting Raum bekommt

An der Talenge zwischen Fahrafeld und Pottenstein ist das Herzstück des größten Rückhaltebeckens an der Triesting positioniert. Der sogenannte „Grundablass“ wird von einem Querdamm gesäumt, der sich im Ernstfall zu einer Talsperre vor einer möglichen Hochwasser-Flut auftürmt. Als neues „Tor der Triesting“ in Richtung Osten ist dieses Abschlussbauwerk in Funktion und Optik das alles überragende, in Beton gegossene Symbol des Hochwasserschutzes im Triestingtal.

Auf einer Grundfläche, die einem Eishockey-Spielfeld entspricht, wuchs das massive Flussbauwerk ab dem Winter 2020/21 unmittelbar neben der Bundesstraße 18 bis zu seiner Gesamthöhe von elf Metern aus dem Boden. Damit rund 3.600 m³ Beton und 550 Tonnen Stahl im Trockenen verbaut werden konnten, wurde die Triesting in den acht Monaten Errichtungszeit für den Grundablass auf kurzem Weg an der Baustelle vorbei geleitet. Seit September 2021 nimmt der Fluss wieder seinen gewohnten Weg. Neu ist nur, dass dieser Flusslauf nun direkt durch das Abschlussbauwerk führt.

Grundablass Drohne
Das Drohnenfoto zeigt die Lage des Grundablasses neben der B-18-Straßeneinfahrt nach Pottenstein aus der Vogelperspektive.

Ökologie im Grundablass

Besonders auffällig sind die vielen Betonwürfel am Boden des Grundablasses. Sinn dieser würfeligen Elemente ist es, die Fließgeschwindigkeiten des Flusswassers im Bauwerk zu verringern. Das führt dazu, dass sich auch im Grundablass „Triesting-Schotter“ anlegt. In dieser Schotter-Schicht können Tiere und Mikroorganismen eine neue Heimat finden. Bei Trockenheit sammelt sich das Wasser in einer Niederwasserrinne, womit Fische weiter problemlos durch den Grundablass schwimmen können.

Raupenfahrzeug mit Frässchwert
Das auf einem Raupenfahrzeug montierte „Frässchwert“ arbeitet die Dichtwand in den Längsdamm ein.

Mit bis zu neun Metern Höhe etwas niedriger als der Grundablass grenzen straßen- und eisenbahnseitig zwei Längsdämme auf einer Strecke von 2,6 Kilometern das Rückhaltebecken ein. Im Sommer 2020 starteten zunächst die Schüttungsarbeiten für die Errichtung der Dämme südlich der Triesting. Das verwendete Gesteinsmaterial stammte aus einem regionalen Schotterwerk sowie vom Bau des Semmering-Basistunnels. Dem Tunnelaushub bescheinigen Experten hervorragende Dammbaueigenschaften. Auch Gestein von der Baustelle in Fahrafeld wurde im Zuge der Fertigstellung weiterverwendet.

Dämme halten dicht

Die Errichtung der Hochwasser-Schutzdämme erfolgte in mehreren, zeitintensiven Arbeitsschritten. Mit dem Frässchwert kam ein innovatives Hybrid-Bauwerkzeug zum Einsatz, das dem Damm erst seine wichtigste Eigenschaft – nämlich die geforderte Dichtheit – verlieh. Nach der Schüttung und Befestigung des Schüttmaterials wurde mit dem Frässchwert eine Dichtwand in den Damm geschlitzt.

Dabei wurde zunächst der Dammboden eingeschnitten, sodass ein Zementgemisch in den Dammaufbau einfließen konnte. Die Zementschlemme durchmischt sich mit dem Schüttmaterial und härtet aus. So wird der Dammkern absolut dicht.

Anders als bei bloß geschüttetem Gesteinsmaterial kann kein Wasser mehr durch den Damm sickern. Weil die Dichtwand einige Meter in den Untergrund reicht, wird auch eine Unterspülung der Dammaufstandsfläche verhindert.

Damm
Grundablass und Damm

Grundablass „zähmt“ Hochwasser

Die absolute Dichtheit der Dämme ist ebenso entscheidend wie die Vereinbarkeit von Natur- und Hochwasserschutz. Dieser Kombination hat der Triesting Wasserverband bei der Realisierung des Großbauwerks Rückhaltebecken Fahrafeld hohen Stellenwert eingeräumt. Prinzip dieses modernen Hochwasserschutzes ist es, der Triesting bei hohen Wasserständen jenen Raum zu geben, den sie braucht, damit die Katastrophe keinen Platz mehr hat. Die Kombination aus Staubereich und Grundablass „zähmt“ das Hochwasser.