Fundstück Mooreiche

Das Fundstück als Kunststück: die Mooreiche

Grabungen in Fahrafeld förderten 2000 Jahre alten Baum zu Tage

Wir schreiben das Jahr 2021 an der Hochwasserschutz Baustelle Fahrafeld: Bei Baggerarbeiten für den neuen Flusslauf der Triesting finden Arbeiter ein großes Stück Holz. Ein 3,60 Meter langer Baumstamm mit einem Durchmesser von 54 Zentimetern wird aus der Erde geholt. Zunächst wird dem Fund noch keine große Beachtung geschenkt. Erst beim Kontrollgang des Baustellenpoliers entsteht der Verdacht, dass es sich um einen besonderen Baumstamm handeln könnte. Das dunkle Holz ist auf etwas merkwürdige Art einseitig verkohlt und weist eine ungewöhnliche Struktur auf.

Fundstück Mooreiche
Fundstück Mooreiche

Eine folgende Begutachtung durch forstkundliche Fachleute nährte den Verdacht, dass es sich bei dem Baum um eine sehr alte Eiche handeln musste, die im Schlamm neben dem historischen Triestingufer konserviert wurde. Das öffentliche Interesse am zunächst unscheinbaren Baum war geweckt und das Fundstück aus dem Fahrafelder Becken wurde zum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung.

Eine isotop-physikalische Untersuchung an der Universität Wien brachte letztlich Klarheit darüber, dass das Holzstück rund 2000 Jahre alt ist – also aus der Zeit – rund um Christi Geburt stammt. Insgesamt 101 Jahrringe mit acht Splintholzjahrringen und Waldkante zählten die Wissenschafter. Im Lebensalter von also etwas über 100 Jahren dürfte der Baum geknickt worden und umgestürzt sein. Ob das durch einen Blitzschlag passierte oder ob die Brandspuren, die sich in der Eiche gehalten haben, jüngeren Datums waren, konnten die Untersuchungen nicht verifizieren.

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Im Osttiroler Atelier des Bildhauermeisters Gabriel Rauchegger wurden Steine und Beschädigungen aus dem historischen Baumstamm in mehrmonatiger Arbeit entfernt.
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Ein Denkmal für die Zukunft konnte entstehen.

Neue Aufgabe für den „Zeitzeugen der Jahrtausende“

Auf Initiative von Obm. Bgm. Andreas Ramharter entschied der Triesting Wasserverband, dass das Fundstück dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Als Ausstellungsstück, das direkt an der ehemaligen Baustelle in Fahrafeld präsentiert wird, soll der hölzerne „Zeitzeuge der Jahrtausende“ symbolisch für die historischen Spuren der Triesting im Tal stehen.

Mit dem Bildhauermeister Gabriel Rauchegger wurde ein Gestalter ausgewählt, der mit viel Gefühl für das Material den uralten Baumstamm bearbeitete. Selbst für den erfahrenen Meisterschnitzer stellte der Umgang mit so altem Holz eine Premiere dar. „Wir mussten vorsichtig an den Stamm herangehen, um den intakten Teil des Baumes dauerhaft zu erhalten.“ Über mehrere Monate galt es Löcher und Bruchstellen, mit Epoxidharz zu füllen. Rauchegger arbeitete dafür in seinem Atelier mit der Expertin Natalie Höller (www.holzduett.at) zusammen.

Das Ergebnis der Arbeit kann sich seit 2023 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Infopavillon im Rückhaltebecken Fahrafeld sehen lassen. Gabriel Rauchegger: „Als ich zum ersten Mal im Triestingtal war, habe ich erkannt, was dort passiert, um mehr Schutz vor Hochwasser zu erreichen. Da war mir klar, was der uralte Baumstamm in Zukunft als künstlerisches Denkmal zum Ausdruck bringen soll – nämlich, wie wichtig starker Zusammenhalt ist, wenn wir gemeinsam etwas erreichen wollen.“

Gabriel Rauchegger bearbeitete die Mooreiche

Gabriel Rauchegger
Gabriel Rauchegger

Der Künstler wurde am 30.07.1982 in Lienz geboren.

Nach Absolvierung der Handelsschule Lienz besuchte der junge Osttiroler ab September 2001 die Fachschule für Kunsthandwerk und Design, Schnitzschule Elbigenalp. Gabriel Rauchegger schloss die Schnitzschule 2006 mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Er schlug den Berufsweg eines freischaffenden Bildhauers ein.

In Abfaltersbach (Hochpustertal, Osttirol) arbeitet der Künstler seit 2016 in seinem neu errichteten eigenen Atelier.

(www.bildhauer-rauchegger.at)